Armenien
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Inhaltsverzeichnis
Geographie
Die Republik Armenien liegt in Vorderasien und grenzt im Norden an Georgien, im Osten an Aserbaidschan, im Süden
an den Iran, im Südwesten an die
aserbaidschanische Exklave Nachitschewan und im Westen an die Türkei. Mit einer Fläche von 29 800 km²
ist das Land etwa so groß wie Belgien oder das deutsche Bundesland
Brandenburg.
Die Landschaft ist geprägt von Gebirgen, die zum Kaukasus
gehören. 90 % der Staatsfläche liegen über 1 000 m, etwa 40 % über 2
000 m ü.NN. Im Norden und Osten Armeniens erheben sich die Gebirgszüge
des Kleinen Kaukasus auf Höhen bis über 3 000 m. Höchste Erhebung des
Landes ist der Aragaz mit 4 090 m. Dieses Gebiet ist durch das
Aufeinandertreffen der Arabischen und der Eurasischen Platte hochgradig
erdbebengefährdet. Im Südwesten Armeniens liegt das Armenische
Hochland, im Osten und Südosten Gebirge, die zum Ostanatolischen
Hochgebirge gehören.
Die Hauptstadt Jerewan
(Eriwan) liegt in der Ararat-Ebene. Eine weitere größere Ebene ist das
Tal des Flusses Arax, der in der Türkei entspringt und teilweise die
Grenze Armeniens zur Türkei und zum Iran bildet. Der größte See des
Landes, der Sewansee, liegt auf einer Höhe von rund 1 900 m und hat
eine Fläche von 1 244 km².
Klima
Armeniens Klima ist kontinental. Charakteristisch sind heiße Sommer
und sehr kalte Winter. In der Hauptstadt Jerewan, das auf einer Höhe
von 907 m über dem Meeresspiegel liegt, betragen die mittleren
Januarwerte -5 °C, die mittleren Juliwerte etwa 25 °C. Im Sommer können
Maximalwerte bis 45 °C erreicht werden, im Winter können die
Temperaturen in einigen Regionen bis auf -40 °C fallen. Die jährliche
Niederschlagsmenge liegt bei 350 mm jährlich und ist damit sehr gering.
An den Berghängen im Norden des Landes können teilweise bis zu 500 mm
Niederschläge fallen.
Flora und
Fauna
Nur etwa 12 % der Landesfläche sind von Wäldern bedeckt, die sich vor
allem auf den Berghängen des Kleinen Kaukasus im Norden (Buchen,
Eichen, Ulmen, Eschen) und den Flusstälern im Südosten (Eichen, Birken)
des Landes befinden. Durch die geringe Niederschlagsmenge ist die
Vegetation überwiegend trocken, es finden sich Trocken- und
Gebirgssteppe mit Büschen und Sträuchern, oberhalb von 2 000 m auch
alpine Matten.
In den steppenartigen Gebieten leben Wildziegen, Wildschafe,
Wölfe, Füchse und Marder. In den Waldgebieten kommen neben Rot- und
Schwarzwild auch Braunbären und vereinzelt Leoparden vor.
Bevölkerung
Rund 3 Millionen Menschen leben in der Republik Armenien, allein 1,1
Millionen von ihnen in der Hauptstadt Jerewan (Eriwan). Insgesamt leben rund zwei
Drittel aller Armenier im Großraum um die Hauptstadt. Von allen
Nachfolgestaaten der Sowjetunion hat Armenien die homogenste
Bevölkerungsstruktur: Rund 98 % der Staatsbürger sind Armenier, daneben
gibt es Minderheiten von Aseri, Russen und Kurden. Durch den
Berg-Karabach-Konflikt verließen viele Russen und Aseri das Land,
während rund 250 000 Armenier wieder einwanderten. 95 % der Bevölkerung
gehören der armenisch-apostolischen Kirche an, die seit Anfang des 4.
Jh. Staatsreligion und damit die älteste Nationalkirche der Welt ist.
Religiöse Minderheiten sind Muslime und Angehörige der
russisch-orthodoxen Kirche. Landessprache ist Armenisch, das zu den
indogermanischen Sprachen gehört.
Etwa ein Viertel der armenischen Bevölkerung lebt unterhalb der
Armutsgrenze. Das ehemals gut entwickelte Gesundheitssystem des Landes
brach nach der Auflösung des Ostblocks weitgehend zusammen, die
Versorgung mit Nahrungsmitteln und Energie war in den 1990er Jahren
unzureichend. Die mittlere Lebenserwartung liegt für Frauen bei 76, für
Männer bei 68 Jahren. Das Bevölkerungswachstum wird auf etwa -0,25 %
geschätzt. Durch die schlechte Wirtschaftslage kommt es immer noch zu
Abwanderung von Armeniern ins Ausland, wobei die Emmigration in den
letzten Jahren stetig abnimmt.
Politisches
System
Die Verfassung von 2005 erklärt Armenien zur Republik mit
Präsidialsystem. Das Staatsoberhaupt ist der für eine Amtszeit von fünf
Jahren direkt gewählte Staatspräsident (Serge Sarkisjan, seit 2008),
der weitreichende Vollmachten hat. Der Ministerrat, angeführt vom
Regierungschef, führt die Regierungsgeschäfte. Die Legislative liegt
bei der Nationalversammlung, die aus einer Kammer (Azgayin Zhoghov) mit
insgesamt 131 Sitzen besteht. Die Mitglieder der Nationalversammlung
werden direkt für vier Jahre gewählt.
Wirtschaft
Als Satellit der UdSSR war Armenien eine der industriell am besten
entwickelten Republiken und exportierte Maschinenteile, Elektroartikel,
Textilien und chemische Produkte. Haupthandelspartner waren die anderen
Sowjetrepubliken. Das große Erdbeben von 1988 zerstörte über 10 % der
gesamten Industrieanlagen des Landes. Weitere wirtschaftsschädigende
Faktoren waren der Krieg, der 1988 um die Region Berg-Karabach ausbrach
und bis zum Waffenstillstand 1994 anhielt und die seit 1991 von
Aserbaidschan verhängte Wirtschaftsblockade. Durch den Zusammenbruch
des Ostblocks verlor Armenien einen Großteil seiner Absatzmärkte. Das
Land war auf Nahrungsmittel- und vor allem Energieimporte angewiesen.
Viele der restlichen Industrieanlagen konnten aufgrund der
Stromknappheit so gut wie nicht betrieben werden. Entgegen
internationalen Protesten wurde 1996 das beim Erdbeben von 1988
beschädigte Kernkraftwerk in Metsamor wieder in Betrieb genommen, rund
ein Drittel der Energie wird daraus bezogen.
Seit Mitte der 1990er Jahre führte die Umstellung von Klein- und
mittelständischen Betrieben auf Privatwirtschaft und internationale
Finanzhilfe zu positiven Wirtschaftswachstumsraten. Mehrere Jahre
verzeichnete die armenische Wirtschaft ein Wachstum im zweistelligen
Bereich, wurde jedoch von der internationalen Finanzkrise hart
getroffen. Seit 2011 ist wieder eine Erholung zu beobachten.
Ca. 45 % der Erwerbstätigen sind in der Landwirtschaft
beschäftigt. Hauptanbauprodukte (vor allem in der Ararat-Ebene und im
Arax-Tal) sind Gemüse, Obst, Getreide und Kartoffeln, weiter Baumwolle,
Tabak und Wein. Ein Großteil der landwirtschaftlichen Nutzfläche wird
als Weideland für die Schaf- und Ziegenhaltung verwendet.
Lange Zeit wurde die industrielle Weiterverarbeitung der
vorhandenen Rohstoffe (vor allem Erze) durch die Energieknappheit
blockiert; seit dem Bau des Atomkraftwerks Metsamor exportiert der
Staat sogar Strom. Neben der Metallverarbeitung gewinnen heute Textil-
und Nahrungsmittel verarbeitende Industrie sowie Betriebe der
Genussmittelindustrie an Gewicht.
Armenien führt vor allem mineralogische Erzeugnisse, Maschinen,
chemische sowie landwirtschaftliche Produkte ein. Größte Importpartner
sind Russland und die Ukraine, wichtigste Exportpartner sind Russland,
Bulgarien und Deutschland.
Armenien trat 2003 der World Trade Organization (WTO) bei. 2007
vereinbarte das Land eine engere wirtschaftliche Zusammenarbeit,
besonders im Energiesektor, mit dem Iran.
Währung ist der armenische Dram (= 100 Luma).
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